Er legt den Kopf auf seine Unterarme und schließt die Augen. Der Windhauch, der durchs offene Fenster ins Zimmer und über seinen Nacken weht, erinnert ihn an ihren Atem. Wie gut sie immer gerochen hat. Geduftet. Vor allem im Nacken. Und ihre Haut. Warm und weich, so unglaublich weich. Und ihr Lachen. Das war das erste, was ihm an ihr aufgefallen ist. Sie hat seinen Kaffeelöffel aufgehoben, als er ihn im Kaffeehaus beim wilden Gestikulieren vom Tisch gefegt hat. „Kaffeelöffelweitwurf?“, hat sie gefragt und gelacht. Aber nicht spöttisch. So, dass er zurücklachen konnte. Und „Ja, aber ich kanns noch nicht besonders gut“, sagen konnte. Mit einem Lächeln hat sie eine Haarsträhne hinters Ohr geschoben und sich wieder ihrer Freundin zugewandt. Und er hat versucht, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen, hat sich aber immer wieder von ihren Bewegungen, die er aus dem Augenwinkel sehen konnte, ablenken lassen. Und Arthur hat ihn ausgelacht, weil er sich verknallt hat. So schnell. Dann hat er sich extra noch einen Kaffee bestellt, weil er noch ein bisschen länger in ihrer Nähe sein wollte. Und kaum war sein Kaffee da, ist sie aufgestanden, hat an der Hundeleine gezogen, die ihm vorher nicht aufgefallen war, und darauf gewartet, dass sich der Hund am anderen Ende der Leine unter dem Tisch hervor bequemt. Der Hund entpuppt sich als Babyhund. Er kennt sich mit Hunderassen nicht aus, aber irgendwas kleines, dunkles, tapsiges mit großen Pfoten, das wahrscheinlich irgendwann ziemlich groß wird, springt um sie herum. Sie verlässt mit Hund und Freundin das Café und als sie Glastür hinter sich schließt, lächelt sie ihm zu. Zwei Tage später, beim Spazierengehen am Flussufer, ist ihm der kleine Hund entgegengelaufen. Er hat sich hingehockt und mit dem Hundebaby gespielt, und auf einmal ist sie vor ihm gestanden. „Heute kein Löffelweitwurf, keine Angst“, hat er gesagt, als er sie erkannt hat. Er war froh, dass ihm das eingefallen ist. Gleich darauf ist es ihm völlig dämlich vorgekommen. Als sie lacht, atmet er erleichtert auf. „Ich bin übrigens die Marisa“, sagt sie und geht ihm gegenüber auch in die Hocke und streichelt den Hund. „Ich bin Jakob“, sagt er und lacht, als sie sich quietschend vom Hundebaby umwerfen lässt. „Hallo Jakob. Magst du mit mir Kaffeetrinken gehen?“, fragt sie und hält ihm ihre Hand hin, damit er ihr aufhilft. Er nimmt die Hand, zieht sie in die Höhe und antwortet „Ja, gern. Wann, also...“ „Jetzt gleich. Wenn du magst“, sagt Marisa und streicht sich Haarsträhne hinters Ohr. An die Bewegung erinnert er sich und findet Marisa schön, wie sie da steht, umgeben von den Strahlen der Nachmittagssonne. Er zieht seine Kamera aus dem Rucksack und macht ein Foto, ohne sie zu fragen. Das ist ihm dann peinlich. „Schon okay, dafür zahlst du den Kaffee“, sagt sie und hebt den Hund hoch.
Montag, 22. September 2008
Kaffeelöffelweitwurf
Er legt den Kopf auf seine Unterarme und schließt die Augen. Der Windhauch, der durchs offene Fenster ins Zimmer und über seinen Nacken weht, erinnert ihn an ihren Atem. Wie gut sie immer gerochen hat. Geduftet. Vor allem im Nacken. Und ihre Haut. Warm und weich, so unglaublich weich. Und ihr Lachen. Das war das erste, was ihm an ihr aufgefallen ist. Sie hat seinen Kaffeelöffel aufgehoben, als er ihn im Kaffeehaus beim wilden Gestikulieren vom Tisch gefegt hat. „Kaffeelöffelweitwurf?“, hat sie gefragt und gelacht. Aber nicht spöttisch. So, dass er zurücklachen konnte. Und „Ja, aber ich kanns noch nicht besonders gut“, sagen konnte. Mit einem Lächeln hat sie eine Haarsträhne hinters Ohr geschoben und sich wieder ihrer Freundin zugewandt. Und er hat versucht, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen, hat sich aber immer wieder von ihren Bewegungen, die er aus dem Augenwinkel sehen konnte, ablenken lassen. Und Arthur hat ihn ausgelacht, weil er sich verknallt hat. So schnell. Dann hat er sich extra noch einen Kaffee bestellt, weil er noch ein bisschen länger in ihrer Nähe sein wollte. Und kaum war sein Kaffee da, ist sie aufgestanden, hat an der Hundeleine gezogen, die ihm vorher nicht aufgefallen war, und darauf gewartet, dass sich der Hund am anderen Ende der Leine unter dem Tisch hervor bequemt. Der Hund entpuppt sich als Babyhund. Er kennt sich mit Hunderassen nicht aus, aber irgendwas kleines, dunkles, tapsiges mit großen Pfoten, das wahrscheinlich irgendwann ziemlich groß wird, springt um sie herum. Sie verlässt mit Hund und Freundin das Café und als sie Glastür hinter sich schließt, lächelt sie ihm zu. Zwei Tage später, beim Spazierengehen am Flussufer, ist ihm der kleine Hund entgegengelaufen. Er hat sich hingehockt und mit dem Hundebaby gespielt, und auf einmal ist sie vor ihm gestanden. „Heute kein Löffelweitwurf, keine Angst“, hat er gesagt, als er sie erkannt hat. Er war froh, dass ihm das eingefallen ist. Gleich darauf ist es ihm völlig dämlich vorgekommen. Als sie lacht, atmet er erleichtert auf. „Ich bin übrigens die Marisa“, sagt sie und geht ihm gegenüber auch in die Hocke und streichelt den Hund. „Ich bin Jakob“, sagt er und lacht, als sie sich quietschend vom Hundebaby umwerfen lässt. „Hallo Jakob. Magst du mit mir Kaffeetrinken gehen?“, fragt sie und hält ihm ihre Hand hin, damit er ihr aufhilft. Er nimmt die Hand, zieht sie in die Höhe und antwortet „Ja, gern. Wann, also...“ „Jetzt gleich. Wenn du magst“, sagt Marisa und streicht sich Haarsträhne hinters Ohr. An die Bewegung erinnert er sich und findet Marisa schön, wie sie da steht, umgeben von den Strahlen der Nachmittagssonne. Er zieht seine Kamera aus dem Rucksack und macht ein Foto, ohne sie zu fragen. Das ist ihm dann peinlich. „Schon okay, dafür zahlst du den Kaffee“, sagt sie und hebt den Hund hoch.
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